Viele Länder setzen auf Kernenergie – Aussteiger wie Deutschland sind erfolglos
Der internationale Trend geht alles andere als in Richtung Atomausstieg. Viele Länder verlängern die Laufzeiten bestehender Anlagen, bauen neue Reaktoren oder bereiten den Einstieg in die Atomkraft aktiv vor. Deutschland gehört mit seinem vollständigen Ausstieg zu einer kleinen Minderheit.
- Schweden verfügt über einen Strommix, der dem Schweizer Modell besonders ähnlich ist: Wasserkraft und Kernenergie bilden zwei zentrale Pfeiler der CO₂-armen Stromproduktion. Gleichzeitig schafft das Land aber die Voraussetzungen für den Bau neuer Atomkraftwerke um diese Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben.
- Finnland verbindet Kernenergie ebenfalls mit Wasser- und Windkraft. Kernenergie war 2024 die wichtigste einzelne Stromquelle und trug wesentlich dazu bei, dass 95 Prozent der finnischen Stromproduktion fossilfrei waren.
- Frankreich setzt Kernenergie weiterhin als tragende Säule seiner Stromversorgung ein und ergänzt sie mit Wasserkraft sowie weiteren erneuerbaren Energien. Bestehende Anlagen sollen länger betrieben und neue Reaktoren gebaut werden.
- Deutschland hat die erneuerbaren Energien stark ausgebaut, zugleich aber seine CO₂-arme Kernenergie aufgegeben. Kohle und Gasmüssen weiterhin die Sicherheit der Versorgung gewährleisten. Die ausgewiesene Klimabilanz des Strommixes hat sich zwar leicht verbessert. Die Verbesserung beruht jedoch auch auf dem wegen Deindustrialisierung gesunkenen Stromverbrauch und höheren Nettoimporten aus französischer Atomkraft. Der Atomausstieg ist deshalb kein Beleg für den Erfolg der deutschen Energiepolitik.
- Ausstiegsländer sind international klar in der Minderheit. Die Lehre für die Schweiz ist deshalb: Eine bewährte CO₂-arme Option wie Atomkraft nicht von vorneweg ausschliessen, solange kein gleichwertiger Ersatz bereitsteht.
Häufige Fragen
Gemäss Bundesamt für Bevölkerungsschutz liegt das Risiko einer Strommangellage bei einmal in 30 Jahren und führt potenziell zu sehr hohen aggregierten Schäden von etwa CHF 84 Mrd. Damit ist sie zusammen mit einer neuen Pandemie das wahrscheinlichste und teuerste Bedrohungsszenario für die Schweiz.[1] Das Risiko einer Strommangellage dürfte sich bis 2050 deutlich erhöhen, wenn die Schweiz die Versorgungssicherheit nicht verbessert.
Ein Blackout, also ein kurzfristiger, unvorhergesehener Stromausfall wie er beispielsweise in Spanien 2025 aufgetreten ist, ist gemäss Bundesamt für Bevölkerungsschutz gleich wahrscheinlich wie eine Strommangellage (strukturell zu wenig Strom über längeren Zeitraum) und tritt einmal in 30 Jahren auf. Die geschätzten aggregierten Schäden belaufen sich auf CHF 7.78 Mrd.[1]
Im Sommer 2023 hat die Schweiz das Klima- und Innovationsgesetz KIG mit 59.1% Ja-Stimmen angenommen. Damit soll die Schweiz bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden. Um dieses Ziel zu erreichen, soll u.a. die Elektrifizierung unterstützt werden: Der Ersatz von Öl-, Gas- und Elektroheizungen mit klimaschonenden Heizungen soll mit 2 Mrd. CHF gefördert werden. Betriebe in Industrie und Gewerbe, die innovative Technologien zur klimaschonenden Produktion einsetzen, sollen von Fördermitteln in der Höhe von 1.2 Mrd. CHF profitieren.[1] Heute beträgt der Anteil fossiler Energie am Endenergieverbrauch rund 57%.[2] Über die nächsten 25 Jahre soll dieser Verbrauch zu grossen Teilen mit Strom ersetzt werden. Hierfür braucht die Schweiz eine zuverlässige Stromproduktion.
Die Stromversorgung gehört zur Basisinfrastruktur eines Landes. Es bestehen deshalb zurecht gesellschaftliche und wirtschaftliche Ansprüche auf ein bestimmtes Versorgungsniveau. Der Staat fördert Stromproduktion, weil Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Netzintegration nicht vollständig über kurzfristige Marktpreise abgebildet werden. Zudem sind viele Anlagen kapitalintensiv, bewilligungs- und netzabhängig. Marktmechanismen sind dennoch wichtig, damit Angebot und Nachfrage sich treffen. Die gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Risiken einer Unterversorgung, im Sinne eines Blackout oder einer Strommangellage sind aber zu gross. Deshalb bestehen für die übergeordneten Ziele Förderinstrumente für alle Aspekte des Stromsystems: Produktion, Netze, Reserven, Ausgleichsenergie, usw.
Aktuell befinden sich weltweit 79 Reaktoren im Bau und weitere rund 120 in Planung.[1] Neben Ländern wie China, Indien, den USA, Japan oder Südkorea treiben auch europäische Staaten (Frankreich, Grossbritannien, Polen, Schweden, Finnland, Tschechien, die Niederlande, etc.[2]) den Bau neuer Kernkraftwerke voran oder prüfen entsprechende Projekte.[3] Die EU sieht Kernenergie als Schlüsseltechnologie zur Erreichung der Klimaziele.[4] Aus diesem Grund hat die EU im Rahmen des «Net Zero Industry Act» auch entschieden, ihre Produktionskapazitäten für Kernenergietechnologie auszubauen.[5] EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Atomausstieg zuletzt als «strategischen Fehler» einzelner europäischer Länder.[6] Zahlreiche europäische Länder erwägen, die Stromerzeugung aus Kernkraft zu verlängern, wieder aufzunehmen oder neu einzuführen. Selbst Dänemark, das über keine Kernkraftwerke verfügt und einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien erzeugt, hat dieser Technologie die Tür geöffnet.[7]
- Plans For New Reactors Worldwide - World Nuclear Association
- Plans For New Reactors Worldwide - World Nuclear Association
- Plans For New Reactors Worldwide - World Nuclear Association
- EU stuft Atomkraft als "strategisch" wichtig für Klimaneutralität ein | Euractiv DE
- The European Council includes nuclear energy in the Net-Zero Industry Act - Foro Nuclear
- Von der Leyen hält Atomkraft-Abkehr für "strategischen Fehler" | tagesschau.de
- https://www.rtbf.be/article/energie-nucleaire-quels-pays-de-l-ue-se-re-lancent-dans-le-nucleaire-lesquels-abandonnent-carte-interactive-11717029