Wasser, Sonne und Wind reichen allein nicht aus
Die Schweiz soll Sonne und Wind konsequent ausbauen. Diese Quellen können den wachsenden Bedarf jedoch nicht zu jeder Zeit allein decken. Wasserkraft wiederum lässt sich kaum noch ausbauen, würde aber Strom zu jeder Zeit in grösseren Mengen liefern. Atomkraft ergänzt also mit CO₂-armem Strom, der unabhängig von Wetter und Jahreszeit produziert werden kann. Gerade im Winter trägt sie dazu bei, die Stromversorgung im Inland abzusichern und die Abhängigkeit von Importen zu begrenzen.
- Atomkraft ist kein Ersatz für den Ausbau der erneuerbaren Energien, sondern deren Ergänzung.
- Sie verbreitert die Basis der inländischen CO₂-armen Stromproduktion.
- Sie leistet gerade im Winter einen wichtigen Beitrag, wenn der Strombedarf hoch ist.
- Ein ausgewogener Strommix aus Wasser, Sonne, Wind und ergänzt mit Kernenergie nutzt die unterschiedlichen Stärken der einzelnen Technologien.
- Kernenergie als Rückversicherung ist eine ergänzende Option, die zukünftige Generationen einlösen können.
Häufige Fragen
Im Sommerhalbjahr ist die Schweiz Netto-Exporteurin, im Winterhalbjahr Netto-Importeurin.[1] Je nach Entwicklung der inländischen Stromproduktion entwickelt sich der Importbedarf im Winter unterschiedlich. Auf dem aktuellen Pfad bis 2050 könnte die Schweiz einen zu hohen Importbedarf von 9-16 TWh aufweisen.[2] Dies, weil die wegfallenden Kernkraftwerke auf dem aktuellen Pfad nicht gleichwertig durch neue emissionsfreie Winterstromproduktion ersetzt werden. Das Energiegesetz schreibt im Sinne einer nachhaltigen Importstrategie vor, dass die Einfuhr von Strom im Winterhalbjahr den Richtwert von 5 TWh nicht übersteigen darf.[3]

Neben den Umsetzungsproblemen, resp. den sehr ambitionierten Zielen der Energiestrategie 2050 und des Stromgesetzes hat die Energiekrise 2022 sofortigen Handlungsbedarf aufgezeigt. Die reduzierte Verfügbarkeit französischer Kernkraft, die Unsicherheiten in der europäischen Gasversorgung und die ungenügende inländische Winterstromproduktion haben die importabhängige Schweiz vor Probleme gestellt. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom warnte vor einer Mangellage und empfahl den kurzfristigen Aufbau von 400 MW thermischer Reserveleistung, sowie 700 bis 1400 MW ab 2030.[1] Auf dieser Grundlage hat der Bundesrat per Notrecht drei Gaskraftwerke bewilligt und die Vorhaltung einer Wasserkraftreserve veranlasst. Die Kosten dieser Massnahmen in den Jahren 2023 bis 2026 wurden auf 2 Mrd. CHF geschätzt.[2] Für die Finanzierung der Reserve-Gaskraftwerke ab 2030 beantragt der Bundesrat zusätzlich vom Parlament rund 2.3 Mrd CHF.[3]
Alternativen zu neuen Atomkraftwerken sind ein sehr starker Ausbau von Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft, mehr Speicher und Netze, Drosselung des Stromverbrauchs sowie Gaskraftwerke. Keine Option ist ohne Zielkonflikte: Erneuerbare brauchen Flächen, Netze und Flexibilität; Importe setzen verfügbare Auslandkapazitäten voraus; fossile Gaskraftwerke stehen ohne klimaneutrale Brennstoffe, CO2-Abscheidung oder Kompensation im Konflikt mit Netto-Null 2050.[1] Generell sind Szenarien mit zentralen Grosskraftwerken volkswirtschaftlich günstiger als mit einer Maximierung der dezentralen Kleinanlagen (Dachsolar, Wind).[2] Axpo hat ausserdem berechnet, dass eine Versorgung mit Erneuerbaren, Kernkraftwerken und rund 15 Mrd. CHF günstiger käme als eine Versorgung mit Erneuerbaren und Gas.[3]
Finanziell und technisch ja, politisch noch nicht. Die Schweiz verfügt im internationalen Vergleich über ein strenges Verursacherprinzip. Die Betreiberinnen von Atomkraftwerken müssen die Kosten für Stilllegung und Entsorgung tragen. Dafür äufnen sie seit Jahren einerseits einen Entsorgungsfonds (Abfälle und abgebrannte Brennelemente) und einen Stilllegungsfonds (Rückbau der Anlagen). Die Finanzierung erfolgt über die Gestehungskosten und damit in die Strompreisbildung. Beide Fondsbestände lagen zuletzt über dem gesetzlichen Soll.[1] Die Schweiz hat sich für die geologische Tiefenlagerung als langfristige Entsorgungslösung entschieden, bei der die radioaktiven Abfälle tief unter dem Erdboden in eine geeignete Gesteinsschicht eingeschlossen werden. Das Projekt befindet sich nicht mehr in der Grundlagenforschung, sondern in einem fortgeschrittenen Bewilligungsverfahren. Die Nagra hat nach ausführlichen Untersuchungen den Standort Nördlich Lägern vorgeschlagen.[2] Der politische Prozess zur Erteilung der Rahmenbewilligung für das Tiefenlager muss noch durchlaufen werden. Bis zur Realisierung lagern die bestehenden Abfälle im oberirdischen Zwischenlager Würenlingen.[3] Andere Länder sind weiter: Finnland verfügt bereits über ein geologisches Tiefenlager, Schweden ist dabei eines zu bauen. Mit Implenia ist ein Schweizer Unternehmen am Bau beteiligt.[4] Auch Österreich, das über keine Kernkraftwerke verfügt, braucht ein entsprechendes Lager für Abfälle aus Forschung und Industrie.[5]
- Jahresbericht 2024 des Stilllegungs- und Entsorgungsfonds
- Wer macht was? Die Rollenteilung beim Schweizer Tiefenlager | Nagra
- ZWILAG Zwischenlager Würenlingen AG
- Implenia gewinnt grossen Auftrag für ein geologisches Tiefenlager in Schweden
- Radioaktive Abfälle in Österreich - Herkunft, Eigenschaften, Entsorgung - Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Bis 2050 soll die Stromversorgung CO₂-frei bleiben und ausgebaut werden. Der Plan des Bundes (Energiestrategie 2050) von 2017 setzt auf massiven Zubau von Solar-, Wind- und Wasserkraft, Steigerung der Energieeffizienz und ein Verbot neuer Kernenergie. Bestehende Kernkraftwerke werden so lange betrieben, wie sie sicher sind. Die zugrunde liegenden Energieperspektiven 2050 des Bundes gingen jedoch davon aus, dass die Schweiz insbesondere im Winter auf erhöhte Stromimporte angewiesen bleibt und dass je nach Szenario auch Gaskraftwerke zur Sicherung der Versorgung eingesetzt werden.[1] In den Jahren nach Inkrafttreten der Energiestrategie zeigte sich jedoch bald, dass der Ausbau der Erneuerbaren langsamer verlief als erwartet, viele Projekte wegen Einsprachen und Bewilligungsverfahren verzögert wurden, die Winterstromversorgung ein ungelöstes Problem darstellt und Elektrifizierung und Digitalisierung den Strombedarf stärker wachsen lassen als ursprünglich angenommen. Die Energiekrise 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine rückte die Frage der Versorgungssicherheit noch akuter in den Vordergrund.